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Karl Ove Knausgard: Sterben

Sterben - Karl Ove Knausgård, Paul Berf

„Man weiß zu wenig, und es existiert nicht. Man weiß zu viel, und es existiert nicht. Schreiben heißt, das Existierende aus den Schatten dessen zu ziehen, was wir wissen. Darum geht es beim Schreiben. Nicht, was dort geschieht, nicht, welche Dinge sich dort ereignen, sondern es geht um das Dort an sich. Dort ist der Ort und das Ziel des Schreibens. Aber wie kommt man dorthin?”

 

Eine Frage, bei deren Beantwortung man dem Autor lesend über die Schulter blicken kann, zugleich das Faszinierende an diesem Buch:

 

„Sinn erfordert Fülle, Fülle erfordert Zeit, Zeit erfordert Widerstand. Wissen ist Abstand, Wissen ist Stillstand”

 

„Dann gelangen wir eines Tages an den Punkt, an dem alle notwendigen Abstände bestimmt, alle notwendigen Systeme etabliert sind. Es ist der Punkt, ab dem die Zeit schneller zu vergehen beginnt. Sie stößt auf keine Hindernisse mehr, alles ist festgelegt, die Zeit durchströmt unser aller Leben”

 

Und wenn dieser Punkt erreicht ist, geht es ums Sterben.

 

„Die Zeit war ihm davongelaufen, und mit ihr die Welt.”


„Eine Stadt, die ihre Toten nicht aus dem Blickfeld entfernt, in der man sie auf Straßen und Gassen, in Parks und auf Parkplätzen liegen sieht, ist keine Stadt, sondern eine Hölle. Dass diese Hölle unsere Lebensbedingungen realistischer und letztlich wahrhaftiger widerspiegelt, spielt keine Rolle.”

 

Die Hölle, das sind die anderen:

 

"In ihrer Familie war wie in allen Familien viel passiert, aber darüber sprachen sie nicht, wenn die Ereignisse folglich irgendwo manifest wurden, dann in jedem Einzelnen von ihnen und in den Stimmungen, die sie gemeinsam schufen." S. 469

 

Eine Seite später fragt er sich, ob er sie wirklich liebt.

 

"Und der Tod, den ich stets als die wichtigste Größe im Leben betrachtet hatte, dunkel, anziehend, war nicht mehr als ein Rohr, das platzt, ein Ast, der im Wind bricht, eine Jacke, die vom KLeiderbügel rutscht." S. 518

 

Ist der Schluss also eine Versöhnung mit dem Tod? Zumindest ist es ein versöhnlicher Abschied vom Vater, bzw. vom Schwanken zwischen Erleichterung über den Tod und Trauer.