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Ann Leckie: Die Maschinen

Die Maschinen - Ann  Leckie

So gerne ich Science Fiction mag, so ist es doch sicher kein Genre, das ich oft lese. Meine Perry Rhodan-Tage liegen laaaaange zurück. Alles, was ich danach an SciFi las, war zwar meist besser geschrieben und wesentlich origineller, aber als Stoff nie mehr so groß, dass ich wirklich in eine Science-Fiction-Welt abgetaucht wäre und die Fortsetzung kaum erwarten konnte. (Außer im Filmbereich)

 

Das ist jetzt anders. Die Bezugspunkte, die ich in Science Fiction habe, konnte ich auch in "Die Maschinen" von Ann Leckie ausmachen, wie z.B. die Borg aus Star Trek. "Die Maschinen" stellt zu diesem Thema (Kollektiv) die wichtigsten Fragen: Wie funktioniert Identität, wie variabel ist sie, sind wir eigentlich alle Viele? Wie verarbeitet man Traumata bzw. das Gefühl der eigenen Schuld, was macht es mit dem Kopf? Gehorsam oder Befehlsverweigerung? Nicht zuletzt: Was ist Liebe und ist sie für alle möglich?

 

Unsere Hauptfigur, die Ich-Erzählerin Breq (zumindest nennt sie sich so) ist auf dem Planeten Nilt unterwegs, einem kalten, unwirtlichen Ort. Dort sammelt sie Kapitänin Seivarden schwer verwundet auf, eine Radchaai. Die Radch sind die Bürger eines riesigen Reiches, die lange Zeit auf stetem Expansionskurs ihr Reich erweiterten. Angeführt von Anaander Mianaai, die keine Skrupel zu kennen scheint, wenn sich ihr ein Volk nicht sofort absolut unterwirft - im Notfall werden Exempel statuiert, doch auch genozid-artige Ereignisse sind im Reich der Radch nicht unbekannt. Der Beginn des Buches ist aufgrund der Fülle an Informationen zunächst sehr verwirrend - ein Gefühl, dass durch die über die Hälfte des Buches von Kapitel zu Kapitel wechselnden Zeitstränge verstärkt wird: Ist Breq im ersten Kapitel ein Individuum, offenbart sie sich im nächsten als eine von Vielen. Als Teil einer künstlichen Intelligenz, die auf einem anderen Planeten zu einer anderen Zeit diente und mit einem Raumschiff verbunden war, der "Gerechtigkeit der Torren". Lange bleibt unklar, weshalb sie jetzt auf Nilt ist, ob sie überhaupt weiblich ist (ein weiterer, sehr interessanter Aspekt des Buches!), welches Ziel sie verfolgt, und was sie mit Seivarden verbindet. Jason Pettus bringt auf goodreads auf den Punkt, weshalb das Buch so spannend ist:

"it's the kind of perfect blend of mind-blowing theoreticals with action-oriented adventure that represents the "holy grail" of science-fiction, a space-opera and brain-teaser rolled into one perfect story bound to satisfy all genre fans no matter who they are."

Im Vorwort des Übersetzers Bernhard Kempen, der einen tollen Job gemacht hat, erzählt er über die größte Übersetzungsherausforderung von "Die Maschinen": die Genderbezeichnungen. Die Sprache der Radch kennt keine weiblichen/männlichen Formen, Ann Leckie hat im englischen Original die weibliche Form als generische benutzt. Die Figur von Awn ist im englischen Original "she", aber natürlich the lieutenant", da auch das Englische hier nicht unterscheidet. Kempen entschied sich, in solchen Fällen die weibliche Berufsbezeichnung als Standard zu nutzen, also von Leutnantin Awn zu sprechen, was über die Länge des Buches einen faszinierenden Effekt hat, denn: Beim Lesen stellt man sich im ersten Moment nur Frauen vor, und fängt dann an, zu hinterfragen, ob die Figur nun eine Frau oder ein Mann ist. Und welchen bzw. ob es einen Unterscheid machen würde?

 

Das eBook, das mir vom Bloggerportal von Randomhouse zur Verfügung gestellt wurde, enthält außerdem ein sehr lesenswertes Interview mit der Autorin, das auch auf Die Zukunft nachzulesen ist. 

Dort gibt es auch eine weitere, kostenlose Kurzgeschichte, "Das Gift der Nacht", aus dem "Maschinen"-Universum von Ann Leckie zu lesen.

 

"Die Maschinen" ist der erste Teil einer Trilogie, die im Englischen bereits erschienen ist.